Hundeschule Wiesler
Hundeschule Wiesler

Lernvorgänge bei Hunden

Lernen ist die Sammelbezeichnung für alle erfahrungsbedingten und auf Informationsverarbeitung beruhenden Verhaltensänderungen von Tieren und bedeutet letztlich die individuelle Anpassung des Verhaltens an die Gegebenheiten der Umwelt.

 

Somit sind Lernvorgänge deutlich von Reifungsprozessen innerhalb der Individualentwicklung unterscheidbar.

Echte Lernvorgänge können sich nur dann abspielen, wenn ein Organismus Informationen speichern und diese in einer vergleichbaren Situation wieder abrufen kann. Das Tier muss zwischen guten und schlechten Erfahrungen unterscheiden können.

Die Lernbegabung ist bei den unterschiedlichen Tierarten verschieden ausgeprägt. Bei vielen der niederen Tiere wird das Verhalten ausschließlich durch angeborene Verhaltenweisen und Auslösemechanismen bestimmt, so dass in ihrem ganzen Leben keine Lernvorgänge stattfinden. Typisch für diese Organismen ist es, dass die für sie relevanten Umweltbedingungen weitestgehend konstant sind.

Je mehr aber diese Umweltbedingungen variieren, umso weniger besteht die Möglichkeit, dass dieses artspezifische Verhalten an die sich ändernden Bedingungen angepasst ist; hier wird vielmehr eine individuelle Anpassungsfähigkeit gefordert.

Wenn auch alle höher entwickelten Tiere die Fähigkeit zum echten Lernen haben, so sind es doch in besonderem Maße die Hunde, die aufgrund ihrer weit überdurchschnittlichen Begabung sich stets und mit großer Flexibilität auf neue Situationen einstellen und diese meistern können.

Je höher nämlich ein Säugetier entwickelt ist, eine desto größere Rolle spielen, gegenüber angeborenen Verhaltensweisen, die Lernprozesse.

Diese Fähigkeit zum Lernen wiederum ist insbesondere bei den Carnivoren ausgeprägt, da die Jagd auf flüchtige Beutetiere und deren Überlisten höchste Ansprüche an den Einfallsreichtum und Kombinationsfähigkeiten des Jägers stellt. Raubtiere erweisen sich lt. Irenäus Eibl-Eibesfeldt im Funktionskreis des Beutefangens als „lernintelligent“. Das bedeutet natürlich auch, dass der Hund in der Lage sein muss und auch ist, lebenslang zu lernen: Leben heißt lernen, hat Heinz Weidt formuliert.

 

Die drei Prinzipien des Verhaltens

Das Verhalten des Hundes beruht hauptsächlich auf drei verschiedenen Prinzipien, die in seiner Individualentwicklung nacheinander erkennbar und funktional werden. Es sind:

  • angeborene Verhaltensweisen.
  • Verhaltensweisen, die auf obligatorischen Lernvorgängen beruhen.
  • Verhaltensweisen, die auf fakultativen Lernvorgängen beruhen.

 

Die angeborenen Verhaltensweisen sind von Lernprozessen unabhängig; sie sind die im Verlauf einer langen Stammesgeschichte entstandenen Anpassungen der Art an ihre Umwelt und dienen dazu, deren Überleben zu sichern.

Solche Verhaltenweisen sind überaus konservativ und am Individuum nicht manipulierbar. Sie müssen nicht zwangsläufig schon bei der Geburt zu beobachten sein, sie sind aber immer genetisch verankert. Einige treten erst nach Reifungsprozessen in Erscheinung.

Bei Hundewelpen sind schon unmittelbar nach der Geburt Suchautomatismen, Milchtritt, Saugreflexe, Fellbohren, Kreiskriechen und andere durch das Zwischenhirn gesteuerte Verhaltenweisen vorhanden.

In den ersten beiden Lebenswochen – in denen Lernvorgänge biologisch nicht sinnvoll und deshalb auch nicht vorhanden sind – sichert ein instinktsicheres Muttertier das Überleben, indem es die elementaren Bedürfnisse nach Nahrung und Wärme stillt.

Das Verhalten des Welpen wird über die in der Verhaltenbiologie so überaus wichtigen „AAMs“ gesteuert: Der angeborene Auslösemechanismus ist das „angeborene Erkennen“ einer biologisch relevanten Umweltsituation und löst eine genetisch programmierte Reaktion aus, durch die die Situation gewissermaßen mit „angeborenem Können“ zu meistern ist.

AAMs werden durch Schlüsselreize ausgelöst. Während das Verhalten weniger hoch entwickelter Organismen von diesen Mechanismen dominiert wird, nimmt mit zunehmender Organisationshöhe der Tiere die Bedeutung der angeborenen Verhaltenweisen kontinuierlich ab und wird immer mehr durch ein Verhalten bestimmt, dass diese Tiere aufgrund von Lernprozessen erworben haben.

Grundsätzlich gibt es neben den Lernprozessen der Prägung und der sich daran anschließenden Sozialisierung das obligatorische und das fakultative Lernen. Eine scharfe Abgrenzung zwischen beiden Lernformen ist jedoch nicht immer möglich.

 

Die Prägung als wichtiges Lernphänomen

Ein erstes Lernen, dem Kreis obligatorisches Lernen zugehörig, wird allgemein als Prägung bezeichnet und findet bei Hundewelpen zwischen der vierten und achten Lebenswoche statt. Diese Prägungsphase ist die wichtigste in der Entwicklung der Welpen; hier wird der Grundstein für das weitere Zusammenleben mit dem Menschen gelegt.

Die Prägung kann treffend definiert werden als „... ein Lernphänomen, bei dem Tiere während einer kurzen, genetisch festgelegten Zeitspanne praktisch irreversibel auf die Objekte ihrer sozialen Beziehungen festgelegt werden. Das einmal in diesem zeitlich genau definierten Lebensabschnitt Gelernte wird lebenslang nicht vergessen.

Auch nach Konrad Lorenz ist die Prägung ein Lernvorgang und beruht auf Assoziationen, ist also mit dem sogenannten bedingten Reflex vergleichbar, der weiter unten näher erläutert wird.

Eine einmal erfolgte Prägung ist – als wichtigstes Charakteristikum und im Unterschied zu allen anderen Lernvorgängen – unwiderruflich und kann nur während eines bestimmten Zeitraumes in der Individualentwicklung des jungen Tieres erfolgen. Im Gegensatz zu Prägung sind die meisten der anderen Lernvorgänge reversibel, dass heißt, einmal Erlerntes kann auch wieder vergessen werden.

Während dieser so entscheidenden Phase „wartet“ der Welpe gewissermaßen auf auslösende Reizkombinationen und assoziiert sie mit gleichzeitig eintreffenden Reizen zu einer Einheit.

Da die Prägung auf eine bestimmte Entwicklungszeit beschränkt ist und aufgrund innerer Umstimmung auch dann endet, wenn kein Lernen stattfand, nennt man sie auch „kritische Periode“.

Das Objekt einer Prägung, auf das die Verhaltenweisen fixiert werden, ist in den meisten Fällen der eigene Artgenosse, der bei der betreffenden Verhaltensweise als Sozialpartner fungiert. Somit kann nicht generell gesagt werden, dass z. B. ein Hundewelpe mit seinen kompletten Verhaltensweisen „auf den Menschen geprägt“ sei; immerhin weiß ein Hund in seinem späteren Leben durchaus zwischen einem anderen Hund/potentiellen Geschlechts-partner und dem Menschen zu unterscheiden.

Es sind vor allem die sozialen Bindungen, die während der Prägungsphase leicht auf den Menschen fixiert werden können.

In der Prägephase brauchen die Welpen unbedingt engen körperlichen Kontakt zum Menschen, damit sie ihn als „Artgenossen“ kennen lernen und ein Scheu- und Meide-verhalten ihm gegenüber gar nicht erst entwickeln.

Der Körperkontakt und die stimmliche Kontaktaufnahme lassen die spätere Anschlussfreudigkeit an den Menschen heranwachsen.

Ebenfalls von Bedeutung ist es, dass der Welpe in der Phase seiner Prägung mehrere Menschen verschiedenen Alters und verschiedenen Geschlechts kennen lernt, um eine Prägung auf den Menschen als Art – und nicht als Individuum – zu erreichen. Dies ist aufgrund des für den Welpen typischen Verhaltens relativ einfach, da Welpen in diesem Alter kontaktbereit sind und gerne auf jeden Menschen zugehen.

 

Mangelnder Kontakt zum Menschen ist der Kardinalfehler in der Prägungsphase; sein Ergebnis sind Hunde, die scheu oder bissig (Angstbeißer) werden. Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, dass Welpen aus Massenzuchten besonders betroffen sind, da unsachgemäße Aufzuchten ohne hinreichenden Kontakt zum Menschen und in reizarmer Umgebung in Hunden mit Verhaltensproblemen enden. Wenn der Zeitraum der Prägung, diese sensible Phase im Leben eines Hundes, einmal ungenutzt abgelaufen ist, kann sie praktisch nicht mehr nachgeholt werden.

 

Die Phase der Sozialisierung

In der nach der Prägungsphase ablaufenden Sozialisierungsphase spielen obligatorische Lernvorgänge ebenfalls eine entscheidende Rolle. Der Schweizer Zoologe Adolf Portmann definierte Sozialisierung als einen „... Prozess, in dessen Verlauf sich ein Individuum den sozialen Erfordernissen der Umwelt gegenüber anpasst oder dazu veranlasst wird, indem es sich die Normen der sozialen Umwelt zu eigen macht und allmählich lernt, diesen Normen entsprechend zu handeln.“

Die Phase der Sozialisierung von der achten bis zwölften Lebenswoche ist somit derjenige Abschnitt im Leben des Hundes, der für die Beziehung zwischen ihm und dem Manschen nach der Prägungsphase die größte Bedeutung hat. Hier wird der Grundstein für die gesamte weitere Entwicklung des Hundes als soziales Tier gelegt: Er muss lernen, sich an das Leben in der Gemeinschaft – in das „Familienrudel“ – einzugliedern und die Fähigkeit ausbilden, sich unterzuordnen und seine Stellung als Rangniederster zu akzeptieren.

Geschieht das nicht, erhält man keinen Partner, der sich bei seiner Erziehung und Ausbildung freudig unterordnet,

 

sondern bestenfalls ein Tier, das eine erzwungene Unterwürfigkeit aufweist. Ein solcher Hund ist auch als Dienst-, Schutz- und Wachhund in hohem Maße ungeeignet.

Ein junger Wolf lernt in diesem Lebensabschnitt unter anderem diejenigen Mechanismen kennen, die eine Beschädigung eines Art- beziehungsweise Rudelgenossen im Konfliktfall zuverlässig zu verhindern.

Die Fähigkeit zum Lernen ist verständlicherweise in der Jugendphase besonders ausgeprägt und muss bei Hunden vor allem im Spiel gefördert werden. Da das Spiel keinen Ernstbezug hat, können hier Verhaltensweisen ohne Risiko eingeübt werden. Dies gilt insbesondere auch für die innerartliche Kommunikation: Durch Reifungsprozesse werden Signale des Artgenossen erkannt, und sie versetzen den Hund gleichzeitig in die Lage, ebenfalls seine Körpersprache einzusetzen. Der junge Hund muss lernen, diese Signale sinngemäß im Umgang mit anderen Hunden einzusetzen.

 

Obligatorisches und fakultatives Lernen

Beim obligatorischen Lernen können angeborene Verhaltensweisen mit erlernten Situationen kurzfristig verknüpft werden; es wird beibehalten – also „erlernt“ -, was zufällig Erfolg brachte.

Mit die wichtigste Form während dieses obligatorischen Lernens ist das motorische Lernen schon im ganz frühen Jugendstadium. Bei dieser Lernform wird der Hund in die Lage gesetzt, die ihm vorgegebenen Bewegungsmöglichkeiten sinnvoll und lebenserhaltend einzusetzen; die Grundformen hierzu sind natürlich angeboren, durch Reifungsprozesse werden sie nun machbar und müssen eingeübt werden.

Neben den eigentlichen Prägungsvorgängen liefert das obligatorische Lernen in der Sozialisierungsphase die lebensnotwendige Anpassung des Hundes an seine individuelle Umwelt, das heißt die Optimierung angeborenen Verhaltens durch den Einbau individuell erworbener Erfahrungen. Es ist artspezifisch auf bestimmet Situationen festgelegt.

Im Gegensatz hierzu sind fakultative Lernvorgänge „... dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht lebensnotwendig sind, in individueller Ausstattung auftreten können und damit neben angeborenen Dispositionen einen wesentlichen Anteil an der Individualausprägung haben können“

Das fakultative Lernen – das übrigens beim Menschen extrem ausgeprägt ist – stellt als Ergebnis die „Handlungsfreiheit“ heraus; es ist somit diejenige Lernform, bei der der Hund am ehesten auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen und sehr flexibel auf plötzlich neu auftretende Situationen sinnvoll reagieren muss. Beim Lernen bedient sich der Hund verschiedener Strategien, und zwar folgender:

 

 

 

 

Gewöhnung:

Einem Reiz, der sich oft wiederholt und dessen Nichtbeachtung keine Nachteile bringt, wird der Hund keine Beachtung mehr schenken und nicht mehr auf ihn reagieren; Beispiele sind Verkehrsgeräusche, Staubsauger und ähnliches.

 

Bedingter Reflex (durch Erfahrung bedingt):

zu den klassischen und auch bekanntesten Versuchen der Verhaltensforschung gehören die Experimente von Pawlow. Der Hund assoziiert nach einigen Wiederholungen zwei voneinander getrennte Vorgänge; klopfen wir zum Beispiel kurz vor der Fütterung des Hundes an den Rand seiner Schüssel, genügt nach einigen Wiederholungen dieses Geräusch, den Hund zum Futter zu rufen. 

Bei der Ausbildung des Hundes werden zahlreiche Verhaltensweisen auf der Basis der bedingten Reflexe eingeübt und gefestigt. Diese Verhaltensweisen müssen aber in bestimmten Abständen wieder trainiert werden, da sie sonst allmählich in Vergessenheit geraten.

 

Operantes Lernen (Versuche und Irrtum):

Es werden nur Verhaltensweisen beibehalten, die zum Erfolg führen.

Ein Beispiel: Betteln bei Tisch wird beibehalten, wenn der Hund die Erfahrung macht, dass er hiermit zum erwünschten Erfolg, dass heißt zu Futterhäppchen, kommt.

 

Wird er konsequenterweise nicht bei Tisch gefüttert, wird er nach einiger Zeit mit der Bettelei auch aufhören, da sein Verhalten nicht belohnt wurde, also erfolglos blieb.

Hunde lernen am Erfolg, in der älteren Literatur auch instrumentelles Konditionieren genannt:

Ein Hund, der eine Handlung ohne Beeinflussung von außen aus seinem inneren Antrieb durchführt und unmittelbar daraufhin ein Lob bekommt, wird nach einigen Wiederholungen diese Verhalten mit der angenehmen Situation des Lobes verbinden und sich in Zukunft in der erwünschten Weise verhalten (darauf basiert das Prinzip des Clickertrainings).

Der Welpe lernt also das Lernen.

Die Belohnung, und als solche ist auch das Lob anzusehen, ist die beste Lernmotivation;

damit wird sehr viel mehr erreicht als durch die Bestrafung.

Problematisch wird die Lage, wenn der Hund bei unerwünschtem Verhalten – unbewusst – belohnt wird. Denn auch dann verknüpft er Tat und Lob – und entwickelt dabei eine uns vielleicht störende Verhaltensweise. Dies ist oft der Fall, wenn wir es versäumen, unserem Hund etwas beizubringen.

Den der Vierbeiner lernt in jedem Fall; haben wir ihm nichts beigebracht, so lernt er eben, was er will – und es ist fraglich, ob wir mit dem Ergebnis immer einverstanden sind!

Wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernverhalten des Hundes sind seinen Bedürfnissen angemessene Lebensbedingungen.

Ein Zwingerhund, der nur selten aus seinem Umfeld herauskommt und keine Gelegenheit hat, sich mit seiner Umgebung auseinander zu setzen, wird niemals sein ganzes Repertoire au differenzierten Verhaltenweisen entfalten können – da kann auch die sonntägliche Übungsstunde auf dem Hundeplatz keine Abhilfe schaffen.

Hunde als Mitglieder der Beutegreiferfamilie haben, zumindest in ihrer Jugendphase und erst mit fortschreitendem Lebensalter eventuell abnehmend, ein ausgesprochenes Neugierverhalten, das im Grunde genommen einem Lerntrieb entspricht: Sie können, einem inneren Antrieb folgend, immer neue Situationen aufsuchen und versuchen, sie spielerisch zu meistern. Dieses explorative Verhalten wird als der wichtigste innere Antrieb für das Lernen des Hundes angesehen. Lernen bedeutet stets eine Verbesserung der Wirkung des Verhaltens und trägt zum Überleben des Individuums bei.

 

Nachahmung:

Hunde können, als scharfe Beobachter, auch durch Nachahmung lernen. Hierbei werden Verhaltensweisen anderer Hunde, aber auch des Menschen, in das eigenen Verhaltensinventar übernommen. Dies kann an die nächste Generation weitergegeben werden, so dass wir hier vom Tradieren sprechen können, also von vererbungsähnlichen Vorgängen, die nicht auf genetischen Prozessen beruhen.

Entnommen: Hunde-Revue; Autor Dr. F.G. Wörner

 

Lerntheorie und Praxis

 

Hunde lernen immer, 24 Stunden täglich. Sie sammeln fortwährend Informationen, verarbeiten sie und setzen sie um. Deshalb ist es für jeden Hundebesitzer wichtig, dass er über die Lernmechanismen Bescheid weiß. Denn auch die Anpassung des Hundes an sein ganz normales Leben als Familienhund erfolgt über Lernen.

 

Lernen am Erfolg

Eine der wichtigsten Arten des Lernens ist das Lernen durch Versuch und Irrtum.

In den Versuchen von B. Skinner lernten zum Beispiel Katzen und Ratten, dass sie auf einen bestimmten Schalter drücken mussten, um an ihr Futter zu kommen. Sie liefen im Käfig herum, kletterten überallhin. Irgendwann traten sie dann zufällig auf den Mechanismus. Durch Wiederholen, erst wieder zufällig, dann immer gezielter, kamen sie relativ schnell drauf, welches Verhalten ihnen den Erfolg brachte: Sie hatten es durch Ausprobieren gelernt.

Das Grundgesetzt der operanten Konditionierung lautet: Die Konsequenzen, die ein Verhalten hat, beeinflussen sein Auftauchen in der Zukunft. Hat ein Verhalten angenehme Konsequenzen – das heißt, zeigt es Erfolg -, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in Zukunft in der entsprechenden Situation wieder gezeigt wird.

Für unser Training bedeutet das: Verhaltensweisen, für die wir unseren Hund belohnen, werden in Zukunft öfter oder intensiver auftreten. Hat eine Handlung hingegen unangenehme Konsequenzen oder wird sie bestraft, tritt sie seltener oder schwächer auf.

In der Lernpsychologie werden Belohnung und Strafe nochmals unterteilt, je nachdem ob wir zum Verhalten unseres Hundes etwas hinzufügen oder etwas entfernen. Schauen wir uns die Emotionen des Hundes an, die jeweils entstehen: Hier müssen wir entscheiden, was wir für uns selbst und für unseren Hund als wünschenswert oder vorstellbar erachten.

Eine Frage lautet etwa: Warum sollte ich eine sogenannte positive Strafe anwenden und den Hund in Angst und Panik versetzen, wenn es auch anders geht und ich schlimmstenfalls mit etwas Frust beim Hund das gleiche erreichen kann? Oftmals kann man nämlich ein unerwünschtes Verhalten einfach ohne Strafe verhindern und das erwünschte belohnen und verstärken, so dass es für den Hund attraktiver wird.

Ein Verhalten kann folgende Konsequenzen haben:

  • Es kommt etwas Angenehmes hinzu. Das Verhalten wird durch diese sogenannte positive Verstärkung, zum Beispiel Leckerli oder Spielzeug, häufiger oder intensiver. Das Tier empfindet dabei Freude, Glück oder gar Ekstase, je nachdem, wie gut und wertvoll die Belohnung ist.

 

  • Es wird etwas Unangenehmes entfernt oder beendet. Als Folge wird das Verhalten häufiger oder intensiver. Beispiel: Der Hund soll sich setzen. Man zieht die Leine straff nach oben und lässt wieder locker, sobald er sitzt. Das Hinsetzen wird verstärkt, weil der Hund durch sein erwünschtes Verhalten Erleichterung empfindet. Diese Art der Verstärkung wird negative Verstärkung genannt: negativ im mathematischen Sinne (minus), da etwas entfernt wird.
  • Es wird etwas Unangenehmes hinzugefügt. Dadurch wird das Verhalten seltener oder schwächer. Diese Form der („positiven“) Bestrafung geht einher mit den Emotionen Furcht, Angst oder Panik.
  • Es wird etwas Angenehmes entfernt, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Leckerli. Dadurch wird das Verhalten seltener oder schwächer. Die ausgelöste Empfindung ist Frustration, Ärger oder Wut. Das nennt man eine negative Bestrafung.

 

Lernen am Misserfolg

Wie Jean Donaldson in ihrem Buch „Hunde sind anders“ so treffend schreibt, sind Hunde Opportunisten und Egoisten. Sie tun nur das, was sich lohnt, und unterlassen alles, was keinen Gewinn bringt – Menschen verhalten sich da übrigens meist ähnlich!

Wenn ein Verhalten nicht mehr belohnt wird, verschwindet es. Das nennen die Verhaltenforscher Extinktion oder Löschung. Wer also ein unerwünschtes Verhalten seines Hundes verschwinden lassen möchte, muss dafür sorgen, dass es nicht mehr verstärkt wird.

Eine Möglichkeit besteht darin, dieses Verhalten zu ignorieren. Das heißt aber: Sobald der Hund es zeigt, dürfen wir ihn nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht einmal anschauen. Und das ist oft gar nicht so einfach!

Außerdem sollte man wissen, dass es einen sogenannten Löschungstrotz gibt: Bevor das Verhalten ganz ausstirbt, flammt es zunächst noch einmal heftig auf. Der Hund testet sozusagen, ob es nicht doch was bringt, wenn er sich so richtig ins Zeug legt. Das muss man dann durchstehen.

Am besten wirkt die Löschung, wenn gleichzeitig ein Alternativverhalten trainiert und sehr stark belohnt wird, etwa Liegen im Körbchen statt Betteln bei Tisch.

 „Falsches“ Verhalten des Hundes im Training sollte man einfach ignorieren, zwei bis drei Sekunden Pause einlegen, überlegen, warum es nicht richtig geklappt hat und neu beginnen, evtl. mit verbessertem Trainingsaufbau.

 

Vom richtigen Zeitpunkt

Unsere Hunde lernen durch Verknüpfung bzw. durch Assoziation.

Eine solche Verknüpfung entsteht, wenn zwei verschieden Ereignisse, Reize oder Vorgänge miteinander in Verbindung gebracht werden.

Damit sie entsteht, müssen diese beiden Ereignisse zeitlich sehr nah beisammen liegen, denn die Erregung der Nervenzellen, die die Informationen im Gehirn bewirken, bleibt nur ca. drei Sekunden bestehen.

Man hat also beim Üben nur ganze drei Sekunden Zeit, eine Verknüpfung zwischen Reiz und Reaktion, z. B. zwischen Hörzeichen und der entsprechenden Handlung, herzustellen.

Realistisch gesehen sollte man aber lieber nur eine Sekunde kalkulieren, denn bis man selbst das Verhalten seines Hundes wahrgenommen und reagiert hat, vergehen schell mal zwei Sekunden.

Richtiges Timing in der Hundeerziehung heißt also:

Belohnen – oder Bestrafen – innerhalb einer Sekunde!

Alles, was danach kommt, kann der Hund nicht mehr mit seiner eigenen Handlung in einen Zusammenhang bringen.

 

Wenn solche Verknüpfungen oft und regelmäßig entstehen, spricht man von einer Konditionierung.

Konditionierung ist der Vorgang, bei dem eine Verknüpfung so fest im Gehirn verankert wird, dass später eines der beiden gekoppelten Elemente herausgelöst werden kann und damit das andere zuverlässig produziert wird. Idealerweise sollte das z. B. beim Hörzeichen „Komm“ der Fall sein. Aber es braucht noch erheblich mehr als lediglich genügend Wiederholungen mit dem richtigen Timing und einer superguten Belohnung, um Lernerfolge zu erreichen.

 

Generalisierung

Hunde können Gelerntes nicht gut auf andere Situationen übertragen. Für sie gehört eben auch der Ort des Lernens (sowie Zeit, anwesende Personen, Tiere etc.) zu dem Gesamtbild, das sie verknüpfen. Alles, was sie in der Assoziations-Sekunde sehen, hören, riechen, fühlen und tun, gehört für sie zusammen.

Daher sollte man jede Übung generalisieren, sie also an vielen verschiedenen Orten durchführen. Denn sonst kann es passieren, dass ein Hund etwa nur auf dem Hundeplatz „bei Fuß“ gehen kann. Auch verschiedene Ablenkungen gilt es einzubauen. Und natürlich müssen wir dafür sorgen, dass es sich für den Hund mehr lohnt, weiterhin mit „seinem“ Menschen zusammenzuarbeiten, als z. B. die Pferde oder Schafe auf der Weide nebenan zu jagen.

 

Fehlverknüpfungen

Wir Menschen können leider nicht vollständig erkennen, voraussagen und kontrollieren, was unser Hund tatsächlich alles in seinem Kopf miteinander verknüpft. Leicht kann es zu ungewollten und nicht sofort erkennbaren Fehlverknüpfungen kommen.

Gefährlich kann eine falsche Verknüpfung im Zusammenhang mit Strafe werden. Wenn wir den Hund z. B. bestrafen, wenn zufällig gerade Kinder in der Nähe sind, wird der Hund möglicherweise Angst vor Kindern entwickeln und im Ernstfall zubeißen, wenn ein Kind ihm näher kommt und er sich in die Enge getrieben fühlt.

Fehlverknüpfungen mit Belohnungen hingegen sind weniger riskant. Sie verhindern zwar manchmal den erwünschten Trainingserfolg, sind aber oftmals auch Auslöser für Lachanfälle mitten im Training.

 

Die Rolle von Stress

Stress ist eine Körperreaktion, die den Organismus eines Lebewesens durch Freisetzung von bestimmten Hormonen auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Gleichzeitig blockieren diese Hormone das Lern- und Denkvermögen.

Ein Hund, der unter Stress steht, kann also gar nicht lernen.

Stress wird verursacht durch Furcht und Unsicherheit, durch Hunger und Durst, durch Schmerzen, Bedrohungen und alarmierende Sinneswahrnehmungen, durch Unbekanntes und wiederholten Misserfolg.

In der Erziehung und Ausbildung erzeugt den Stress meist der Mensch am anderen Ende der Leine – durch Korrekturen, Strafen, psychischen Druck, Überforderung, schlechte Laune und vieles mehr.

Stresssymptome bei Hunden sind unter anderem Züngeln, Gähnen, den Blick abwenden, Schnüffeln, Leckerli verweigern, erweiterte Pupillen, zurückgelegte Ohren, Fluchttendenz, Aggressivität, Verdauungs- oder Herzprobleme....

Die Beschwichtigungssignale, die uns bei Stress gezeigt werden, sollten wir erkennen und deuten lernen, so dass wir angemessen reagieren und die stressauslösende Situation für den Hund entschärfen können. Übrigens sind viele vermeintlich sture Hunde in Wirklichkeit gestresst, denn der sogenannte passive Stresstyp bewegt sich verlangsamt und zögernd, wirkt „stur“. Der aktive Stresstyp dagegen wird hyperaktiv, aufgeregt und hektisch.

 

Was Hunde wollen

Mit seinem Verhalten will der Hund in der Regel erreichen, dass Gutes beginnt oder Böses aufhört; er will verhindern, das Gutes aufhört und Böses beginnt.

Jedes Lernen dient der Steigerung der individuellen Fitness, wie die Verhaltensforscher sagen. Gemeint ist die Verbesserung des eigenen Zustandes, der Lebens- und Fortpflanzungschancen. Er will einfach nur seinen Spaß, Bequemlichkeit und genügend Futter!

Was ein Hund dabei gut findet oder als motivierende Belohnung empfindet, ist individuell verschieden. Der eine würde für einen Ball alles tun, während sein Kumpel nur für die allerteuerste Leberwurst arbeitet.

Bei neuen Übungen, schwierigen Trainingssituationen und starken Ablenkungen braucht man wirklich die allerbeste Belohnung, um den Hund genügend zu motivieren.

Bei gut gelernten Übungen oder solchen, die durch häufige Superbelohnungen schon selbst zum Verstärker geworden sind, reicht oft ein kurzes Lob, um sie weiter zu verstärken.

Indem man die Art der Belohnung ab und zu wechselt, anstatt immer die gleichen Leckerli zu geben, kann man in vielen Fällen die Spannung und Motivation auch auf Dauer aufrechterhalten.

 

„Mein Hund soll mir zuliebe gehorchen und nicht dauernd mit Leckerchen bestochen werden!“ 

Das ist ein Ausspruch, den man öfter zu hören bekommt, wenn man mit Belohnungen arbeitet. Ein verständlicher Einwand, aber: Würden wir denn für ein nettes Wort des Chefs oder ein Schulterklopfen den Rest unseres Lebens motiviert zu Arbeit gehen?

 

Verstärkungsschema

Natürlich möchten wir unseren Hund nicht immerwährend belohnen müssen. Aber wir wissen ja: Nicht mehr verstärktes Verhalten verschwindet. Damit der Hund die Zeiten ohne Belohnung gut überstehen kann und das Verhalten trotzdem beibehält, müssen wir Belohnungen langsam abbauen.

In der Lernphase wird das erwünschte Verhalten jedes Mal belohnt (Immerverstärkung). 

Wenn der Hund dieses Verhalten zuverlässig an beliebigen Orten mit Belohnung zeigt, können wir dazu übergehen, Belohnungen abzubauen.

Dabei beginnen wir mit einer Verstärkung im festen Verhältnis, etwa fünf zu vier. Das heißt, von fünf Wiederholungen werden vier belohnt – und eine nicht. Der Hund wird so langsam daran gewöhnt, dass es manchmal keine Belohnung gibt. Wenn das klappt, gehen wir zu nächsthöheren Stufe über, also drei zu zwei, dann zwei zu eins, drei zu eins und so weiter.

Bei Übungen, in denen wir ein Verhalten über einen gewissen Zeitraum erarbeiten wollen, steigern wir entsprechend die Dauer, verstärken nach festem Intervall. Als nächste und letzte Stufe folgt dann die variable Verstärkung. Hier wird nach dem Zufallsprinzip belohnt, so dass der Hund nie weiß, wann seine Belohnung kommt. Das ist spannend wie beim Glücksspiel und daher auch die wirksamste Verstärkungsform, relativ resistent gegen Löschung.

Bei manchen Hunden kann man direkt von der Immerverstärkung zur variablen wechseln, andere brauchen viele Zwischenstufen. Da muss der Hundehalter seinen vierbeinigen Partner gut kennen und beobachten: Immer, wenn ein Verhalten sich verschlechtert, sollte man zum vorletzten Schritt zurückkehren und dann langsamer voranschreiten, damit der Hund das Vertrauen in die Sache nicht verliert.

 

Die richtigen Signale

Ein Signal ist das, was den Hund veranlasst, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Das kann ein Wort sein, eine Geste, ein Geruch oder auch eine Berührung.

Der Hund nimmt nicht nur unsere bewusst ausgesandten Signale wahr, sondern auch unsere Körpersprache und Signale aus der Umwelt. Da seine arteigene Kommunikationsform eher die Körpersprache ist, versteht und beachtet er diese auch beim Menschen besonders gut.

Das führt oft zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen. So kann es leicht zur sogenannten Überschattung kommen, wenn der Mensch ein Hörzeichen und gleichzeitig, bewusst oder unbewusst, ein Körpersignal gibt. Der Hund achtet nur auf das Körpersignal und bekommt das Hörzeichen gar nicht mit. Wir müssen also dafür sorgen, dass der Hund das Hörzeichen wahrnehmen und verknüpfen kann. Deshalb setzen wir am besten das Hörzeichen vor das Verhalten. Wir geben also das Signal, kurz bevor der Hund das erwünschte Verhalten zeigt, das wir etwa durch Locken hervorrufen. Es ist von Vorteil, ein Signal erst dann einzuführen, wenn das Verhalten schon ziemlich sicher gelernt und generalisiert ist, denn dann ist die Gefahr einer Fehlverknüpfung am geringsten.

 

Trainingsschritte

Schauen wir uns die oben geschilderten Lerngesetzte und Bedingungen an, so können wir das Training in folgenden Schritten aufbauen:

 

  1. Die Motivation des Hundes erkunden sowie eine Hitliste der Belohnungen aufstellen und überlegen, welche Belohnung wann angebracht und anwendbar ist.
  2. Genau definieren, was der Hund tun soll. Dabei positiv formulieren, damit man weiß, was belohnt werden soll.
  3. Herbeiführen des gewünschten Verhaltens, zum Beispiel den Hund durch Locken mit einem Leckerchen ins Sitz bringen.
  4. Belohnen im richtigen Moment im Fall von Immerverstärkung.
  5. Häufige Wiederholungen zunächst in ruhiger Atmosphäre an einem Ort.
  6. Generalisierung durch mehrmalige Ortsveränderungen, sobald der Hund das Verhalten am ersten Ort sicher zeigt.
  7. Signal einführen (Sichtzeichen, Hörzeichen). Überschattung vermeiden.
  8. Festigen des Verhaltens unter stärker werdenden Ablenkungen.
  9. Übergang auf anderes Verstärkungsschema, zuerst in einem festgelegten Verhältnis, dann variabel

 

Um den Gesetzen des Lernens im Training wirklich optimal entsprechen zu können, ist der Clicker eine Möglichkeit.

Mit diesem Hilfsmittel kann man perfektes Timing auch auf Entfernungen erreichen; man erleichtert sich Generalisierung und Signaleinführung und arbeitet immer in einer fröhlichen Atmosphäre.

Clickerhunde lieben das Lernen! Und das wiederum ist die Belohnung für den Trainer.

 

Entnommen der Hunde-Revue;

Autorin Beate Lambrecht

 

 

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befindet sich in Kleinkems,

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