Hundeschule Wiesler
Hundeschule Wiesler

Lano

Seit Monaten schon ist es immer wieder eine rote Katze, die mich kommunikativ anspricht. Sie ist einfach da; und ich weiß, sie wird zu mir kommen. Meiner Freundin habe ich bereits davon erzählt. Ich wollte keine rote Katze und jetzt habe ich drei davon.

 

Für gewöhnlich zeppe ich nicht durch´s Internet und schon gar nicht auf Seiten vom Tierheim. Und nie nicht an einem heiterhellen Samstag um die Mittagszeit. Normalerweise betätige ich mich zu dieser Stunde mit dem Staubsauger und der Fusselbürste. Bei 2 Hunden und 2 Katzen wäre ein Staubsaugerausfall eine Katastrophe. Nun, es sollte wohl so sein. Auf der Homepage des Tierheims war ein roter Notfall-Kater: „Lukas“. Er sah sehr jämmerlich aus, fast kam es mir vor, als hätte er sich aufgegeben, bzw. wäre nicht bei sich. Am Rücken und den Hinterschenkeln fehlte das Fell und aufgescheuerte Stellen nässten. Er sabberte aus dem Mäulchen. Eines seiner Ohren ist ein Blutohr, das andere ausgefranst.

 

Mein nächster Klick war zu den Öffnungszeiten des Tierheims: bis 14 Uhr geöffnet. Ich schaltete meinen PC aus, setzte mich in´s Auto und fuhr in´s Tierheim. Sehr verständnisvoll und fürsorglich führte man mich zu Lukas. Er kam sofort auf uns zugelaufen. Ich ging in die Hocke und hatte noch nicht mein Gleichgewicht ausgependelt, da hockte Lukas bereits auf meinem Schoß. Er hakte sich mit den Vorderkrallen fest; die waren verdammt lang und scharf. Schnell schob ich meine Hand unter seinen Hintern um ihn abzustützen um ihn weiter nach oben zu schieben. Er rieb seine Backen an meiner Hand, an meinem Schenkel und überall, wo er mich erfühlen konnte. Dann warf er seinen Motor an und schnurrte, was das Zeug hielt, während ihm der Sabber heraus lief. Nur: anpacken durfte ich ihn nicht. Dann biss er sich sofort fest – ohne Vorwarnung. Danach rannte er davon und kratzte sich überall. Lukas ist Allergiker. Laut Aussage des Tierheims hatte er eine Sonnenallergie und wurde auch auf Allergien getestet. Man wisse nicht, was sonst noch.

Mir war klar, wenn ich dieses maltretierte Geschöpf zu mir nahm, dann kommen erhebliche Tierarztkosten auf mich zu. Das kann ich mir nicht leisten. Trotzdem lässt mir diese Tierseele keine Ruhe. Am nächsten Tag, ein Sonntag fahre ich also wieder in´s Tierheim um Lukas zu besuchen. Sofort kommt er wieder auf mich zu und nimmt mich gleich ganz ein, noch bevor ich am Boden hocke. Er macht fast einen Kopfstand als er seine Backen an meinen Händen reibt. Die darf ich dann nicht bewegen; er beißt sich sofort fest. Meine Schenkel sind verkratzt und meine Finger verbissen. Was geht in dieser Tierseele vor, dass sie so nach Zuneigung und Liebe lechzt, trotzdem so aggressiv reagiert und in Kratzattacken verfällt.

Zuhause warten 2 Hunde, und 2 weitere Katzen vom Tierschutz. Kann ich ihnen dieses verhaltensgestörte Geschöpf zumuten ? Mein Verstand sagte mir, dass meine finanzielle Situation und die Verantwortung nicht für den Einzug von Lukas stimmen. Aber mein Gefühl war sicher, dass Lukas eine Chance verdient hatte und sich bereits entschieden hat wo er hin möchte.

Auf meinem Nachhauseweg kehrte ich bei einer Freundin ein. Sie freute sich über meinen Besuch der ihr gerade recht kam, denn: sie müsse mir unbedingt was zeigen. Auf einer Seite vom Tierheim hatte sie einen Kater gesehen, der ihrer Meinung nach, ganz sicher ein Kandidat für meine WG wäre.  Wir wunderten uns beide nicht wirklich, dass sie Lukas für mich gefunden hatte. Ich wusste nicht, wie ich es bewerkstelligen sollte und suchte nach einer Lösung.

Tage vergingen und langsam fand ich mich damit ab, dass ich es mir nicht leisten konnte, so gerne ich auch geholfen hätte. Da rief meine Freundin an. Lukas ging es schlechter, die Tierheimsituation belastete ihn zusätzlich und nun suchten sie einen Pflegeplatz für Lukas. Ich rief im Tierheim an und Lukas durfte zu uns kommen. Man besorgte sogar noch eine zusätzliche Tube Creme, damit seine kahlen und entzündeten Hautstellen weiterhin von mir behandelt werden konnten.

Obwohl Lukas sich sonst nicht mit beiden Händen anfassen ließ ohne zu kratzen und zu beißen, durfte ich ihn ohne Probleme in die mitgebrachte Transportbox setzen. Er wusste, dass er in ein neues Leben umzieht – ich war mir damals noch nicht sicher – er schon ! Zuhause angekommen, wohnte Lukas zuerst oben auf der Empore. Mit den beiden vorhandenen Katzen Artus und Quasimodo war es nicht sehr dramatisch. Doch die Hunde sollten noch darunter leiden. Lukas attackierte die Hunde bis aufs Blut. Was hatte ich da angerichtet ? Meine Tiere vertrauten mir und ich mute ihnen so ein verstörtes Wesen zu. Starke Vorwürfe plagten mich. Ich konnte Lukas auch nicht die Krallen schneiden. Es war unmöglich ihn fest zu halten und schon gar nicht mit Metall in seine Nähe zu kommen. Die Creme brachte keinen Erfolg. Lukas kratzte sich nach wie vor auf, schrubberte sich am Kratzbaum die Stellen immer wieder auf und: er lag so oft es ging am Fenster in der Sonne. Dieser Kater hat eine Sonnenallergie ? Unvorstellbar, so wie er die Sonnenstrahlen aufsaugte. Also begann ich das Futter umzustellen. Bachblüten, Schlüssler Salze und Hömop. halfen beim Ausleiten und Entgiften.

Nun stank sein ganzer Körper nicht nur von außen. Der ganze Kater „roch streng“ und er zeigte mir deutlich, dass er die Creme nicht haben möchte. Was kann ich diesem Wesen sonst noch Gutes tun ? Wenn ich nur wüsste, was ihm zugestoßen war. Er war absolut nicht authentisch. Als wohnten 2 Wesen in ihm und ein 3. Teil ist an einem anderen Ort. Also bat ich Lukas um ein Gespräch. Dabei kam heraus: Lukas wohnte bei einer jungen Frau. Sie lebten zusammen liebevoll in Zweisamkeit in einer modernen Wohnung. Lukas war tagsüber alleine und wartete in der Wohnung, bis Abends sein Frauchen nur für ihn da war. Er schickte mir ein absolut harmonisches Gefühl herüber. Dann hatte die junge Frau einen Freund. Dieser konnte Lukas nicht ausstehen und er warf ihn raus in ein fahrendes Auto, nachdem er dessen Ohren verstümmelt hatte, damit man die Tätowierung nicht mehr lesen kann. Total verstört und schwindelig irrte Lukas durch die Straße als plötzlich ein Hund daherkommt und Lukas hinterher jagt. Lukas rennt in Panik los, weiter, immer weiter, der Hund hinterher. Dann rennt Lukas in eine offene Garage und flüchtet sich auf ein Holzregal. Dort obendrauf steht ein Blecheimer mit einem Pinsel drin. Dieser kippt um und der Pinselreiniger rennt hinunter über Lukas´ Rücken.

Eine Frau findet Lukas und ist entsetzt über den Zustand des Katers. Sie bringt ihn in´s Tierheim. Nun kann ich das Verhalten von Lukas verstehen. Sollte es möglich sein, dieser verletzen und verstörten Tierseele zu helfen sich selbst zu finden ? Die Verbindung zu Mutter Erde wieder zu ermöglichen, damit abfließen kann, was ihn belastet und so wieder der Energiefluss stattfinden kann und er wieder zu uns in´s Leben findet.

Wenn das möglich sein kann, dann nur mit Hilfe meiner Tierkameraden. Ich bat meine Schamanische Lehrerin um Unterstützung. Mit all dieser Hilfe gelang es mir, eine Stufe weiter zu kommen und Lukas kam mir eine Stufe entgegen. Wenn es auch eine große Treppe mit vielen Stufen ist, so kamen wir uns näher. Doch jedes Mal wenn die Hunde wieder mit blutender Nase daher kamen plagten mich Zweifel, ob es richtig war ihnen das auf zu bürden. Niemals ging es ins Auge ! Das nahm ich dankbar als Zeichen.

Das ist nun einige Jahre her. Zwischenzeitlich ist Lano ein anderer geworden. Er hüpft zu uns auf das Sofa und liebt es, zwischen uns zu liegen. Dabei schnurrt er dermaßen, dass ihm der Sabber aus den Lefzen rennt. Seine Zähne sind schlecht und er hört nichts mehr. Robin, unser neuer Rüde darf ihm die Ohren putzen; das beruht auf Gegenseitigkeit. Für Sway ist er wie ein großer Bruder. Unglaublich, dass ein derart maltretiertes Geschöpf wieder in der Lage ist zu Vertrauen. Die Dankbarkeit ist auf beiden Seiten. Lano ist ein stolzer, authentischer Tierkamerad, den wir alle gleichermaßen schätzen. Krallenschneiden ist noch immer sehr unbeliebt, aber auszuhalten. Was für eine wundervolle Wandlung dieser Seele. Als Lano immer mehr und mehr an Gewicht verlor, wurde eine Schilddrüsenunterfunktion diagnoistiziert. Trotz Medikamenten nahm er immer mehr und mehr ab. Die Zähne konnten nicht mehr gerichtet werden, da seine Nierenwerte dermaßen schlecht waren und er eine OP nicht überstanden hätte. Ein Magenmittel half, dass Lano nicht das bisschen Futter wieder erbrach. Dann, vor mehr als 2 Wochen stellte er das Fressen ein. Trank nur noch Wasser. Lano wurde immer schwächer. Brav suchte er die nahe aufgestellte Katzentoilette auf und legte sich dann wieder zufrieden hin. Wenn wir auf dem Sofa saßen, kam er zu uns gewackelt. So machte er uns das größte Geschenk, das man sich von seinem Tierkameraden wünschen kann. Er ließ uns an seiner Zufriedenheit teilhaben und schenkte uns die Möglichkeit, des Abschiednehmens. Gestern hat dieser wundervolle Lebensbegleiter friedvoll und heil seine irdische Reise beendet.

 

November 2016

 

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